WIR SIND DAS VOLK
Symposium, 2014
Das Symposium Wir sind das Volk beleuchtet die politische Bedeutung und den Wandel des Volksbegriffs. Der Ruf »Wir sind das Volk« wurde im Herbst 1989 zu einer zentralen Losung der Friedlichen Revolution und richtete sich gegen das Machtmonopol der SED und gegen die gewaltbereiten Einsatzkommandos der Volkspolizei. Dokumentiert ist seine Verwendung unter anderem bei der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989, an der rund 70.000 Menschen teilnahmen. Die Parole formulierte den Anspruch der Bürger*innen auf politische Teilhabe und demokratische Selbstbestimmung. Spätestens im November 1989 verschob sich mit der Forderung nach deutscher Einheit und der Abwandlung des Slogans zu »Wir sind ein Volk« der Volksbegriff. Seit den beginnenden 2010er Jahren wurde »Wir sind das Volk« erneut von rechtspopulistischen und nationalistischen Bewegungen aufgegriffen – unter anderem bei Protesten gegen die Unterbringung von Geflüchteten in Leipzig-Schönefeld und Schneeberg sowie gegen den Bau einer Moschee in Leipzig-Gohlis.
Der Slogan wurde damit völkisch, ausgrenzend umgedeutet und gegen Migration, religiöse Vielfalt und gesellschaftlichen Pluralismus gewendet. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Symposium, wie Vorstellungen von »Volk« und Zugehörigkeit entstehen, politisch instrumentalisiert und verändert werden und welche Rolle Kunst bei ihrer kritischen Reflexion einnehmen können.
Konzept: Sven Bergelt, Prof. Dr. Dieter Daniels und Susan Baumgartl
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in Kooperation mit der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, 2014
Referent*innen: Prof. Dr. Ralph Jessen, Dr. Oliver Decker, Radjo Monk, Uwe Schwabe, Ulrich Polster, Elske Rosenfeld
